Meine Begegnung mit Marie-Anne an ihrem Grab

Während meiner Recherchen hatte mich mein Weg selbstverständlich auch nach Paris geführt, um dort nach neuen Erkenntnissen zu suchen oder diejenigen von Dicta Dimitriadis zu verifizieren. Es war an einem Freitagmorgen, als ich mich frisch und voller Erwartung auf den Friedhof Père Lachaise begab, auf dem sich die letzte Ruhestätte von Marie-Anne Lenormand befinden sollte. Ich hatte dort auf eine Hinweistafel oder einen Wegweiser gehofft, der mich direkt an ihr Grab führen würde. Doch auf dem ganzen Friedhofsgelände kein einziger Hinweis. Wo sollte ich nur anfangen?! Nach einigen Irrungen und Wirrungen - ich hatte meine Hoffnung eigentlich schon aufgegeben - kam mir die Idee, die Friedhofsverwaltung aufzusuchen. Irgendwie wollte ich mir anschließend nicht den Vorwurf machen müssen, nicht wirklich alles versucht zu haben. Zu meiner Überraschung ging dann alles wie von selbst. Immerhin war die Dame Lenormand auf dem Friedhof keine Unbekannte. Man gab mir eine vage Beschreibung davon, an welcher Stelle auf dem riesigen Gelände sich ihre Grabstätte befinden sollte. Erleichtert, dass ich immerhin auf dem richtigen Friedhof war, nahm ich einen neuen Anlauf. Jedes einzelne Grab schaute ich mir an, das sich auf dem Teil des Friedhofs befand, wo auch Marie-Anne Lenormand angeblich begraben liegen sollte. Ich irrte von hier nach dort und von hüben nach drüben. Ich konnte das Grab einfach nicht finden. Ein Angestellter der Friedhofsverwaltung musste mich dabei beobachtet haben. Ich sah also diesen Mann mit seinem auffallend roten T-Shirt aus dem Gebäude der Friedhofsverwaltung kommen. Zunächst nahm ich an, er wollte nur eine kleine Pause machen und eine Zigarette rauchen. Doch dann sah ich hin geradewegs auf mich zueilen, zeigte von weitem mit dem Finger auf eine Grabreihe und rief: "Par ici, par ici (hierher, hierher)!" Ich folgte seinem Zeigefinger und nach einigen Sekunden stand ich tatsächlich vor diesem einfachen, unscheinbaren Grab mit seiner schlichten grauen Grabplatte. Auf dem kleinen Grabstein am Kopf des Grabes standen nur zwei Worte: "Mademoiselle Lenormand".
Wie es die Höflichkeit verlangt, bedankte ich mich noch recht freundlich bei meinem Helfer, dann übermannten mich meine Eindrücke. Ergriffen und gleichzeitig aufgewühlt stand ich vor diesem Grab. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich wieder gefangen hatte und in der Lage war, einen klaren Gedanken zu fassen. Erst allmählich begriff ich, dass das Unmögliche tatsächlich gelungen war! Die letzte Ruhestätte der von mir so verehrten Frau war endlich gefunden! Die Energie dieses Ortes versetzte mich in die Zeit, in der Marie-Anne gelebt hatte.
Und obwohl ich nur ihre Grabstätte besuchte, hatte ich das Gefühl, sie sei mir niemals näher gewesen als in diesem Augenblick. Ich weiß nicht, wie lange ich dort gestanden habe. Irgendwann begann ich jedenfalls damit, ihr Grab etwas zu arrangieren. Ich rückte die Blumen zurecht, die ihre Verehrer dort nieder gelegt hatten und ebenso die kleinen Täfelchen mit Dankesbekundungen. Die Sonne schien heller und kräftiger denn je an diesem Freitag, den 24. Juni 2005. Ideale Lichtverhältnisse boten sich mir, um das Grab auf diversen Fotos zu verewigen. Anschließend verbrachte ich noch einige Zeit schweigend und in stiller Andacht dort. Die Sonne durchflutete den Ort mit Licht und Wärme. Ich konnte nicht sprechen. Jegliches Wort wäre ohnehin zuviel gewesen an diesem Grab, von dem magische Kräfte auszugehen schienen. Am liebsten wäre ich für immer dort geblieben.
Die Momente am Grab von Marie-Anne Lenormand waren einzigartig. Sie mit Worte beschreiben zu wollen, käme allenfalls einer billigen Posse gleich. Ich kann nur jedem empfehlen, es selbst zu erleben.
Noch heute schweifen meine Gedanken häufig auf den Friedhof Père Lachaise und mich ergreift die tiefe Sehnsucht, gleich ins nächste Flugzeug zu steigen, um mich an ihrem Grab mit ihrem starken Geist zu verbinden und ihre Energie zu spüren. Ich zolle dieser Frau meinen tiefsten Respekt. Sie war ein bizarrer, aber ein herausragender Charakter.
Ganz besonders aber war sie eine missverstandene Persönlichkeit, die eigentlich nur einen einzigen Fehler hatte, nämlich den, ihrer Zeit um Längen voraus zu sein. Umso mehr gebührt ihr heute unsere größte Anerkennung. Sie hat nicht nur viel bewirkt für die Zeit, in der sie lebte, sondern vor allem auch für die Gegenwart. Sie ist ein Vorbild für viele Menschen, denn ihr Mut, ihre Unerschrockenheit, ihre Furchtlosigkeit, ihre Schlagfertigkeit, ihre Wissbegierde, ihr Ergeiz, ihre Disziplin, ihre Durchsetzungskraft und vor allem ihr gutes Herz sind bis heute beispiellos geblieben. Die Welt wäre um ein Vielfaches reicher, hätte sie mehr solcher Charakter wie Marie-Anne einer war.

Tu seras toujours dans mon coeur. In tiefer Bewunderung für eine starke Frau
Du wirst immer in meinem Herzen sein.

Kornelia

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Brief an Koenig Louis Philippe
Geburtsradix Marie Anne Lenormand - Alencon
Das Kartendeck von Marie Anne Lenormand
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